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Wirkungsweise von Schwerkraft und Rolfing auf unseren Körper

Aktualisiert: 7. Sept. 2023

Schwerkraft und Rolfing®: Wieso geraten wir aus dem Gleichgewicht?

Die Schwerkraft formt unsere Körper und hat von Geburt an einen erheblichen Einfluss auf unsere Struktur. Mit der Zeit drückt sie unsere Körper in unnatürliche Positionen, die sich durch chronische Spannungen und Schmerzen bemerkbar machen.

Grafik mit zwei Figuren, die einem menschlichen Körper ähneln, allerdings aus verschiedenen Klötzen bestehen. Die Klötze links sind nicht gerade übereinander gestapelt, der dargestellte Körper wirkt eingefallen. Rechts sind alle Klötze gerade übereinander gestapelt, der Körper ist dadurch größer. Am Kopf des Körpers ist ein Haken angebracht, der ihn nach oben zieht.

In den 1950er Jahren machte die US-amerikanische Biochemikerin Ida Rolf die Entdeckung, dass eine optimale Körperhaltung die optimale Ausrichtung der einzelnen Körperabschnitte vorauszusetzen scheint: Dr. Rolf verglich die von ihr definierten Körperbereiche mit Bausteinen, die beim gesunden Menschen lotgemäß wie Elemente eines Turmes aufeinander aufliegen (Kopf, Schultern, Brust, Bauch, Hüften, Ober- und Unterschenkel sowie Füße). 


In Verschiebungen innerhalb jenes Aufbaus, sprich Fehlhaltungen, sah Ida Rolf die Ursache einer Vielzahl von Erkrankungen: Eine beeinträchtigte Haltung, so erkannte sie, führte zu übermäßigen Ausgleichsbemühungen des Körpers – und damit zu Einschränkungen und erhöhtem Energieaufwand. Mit dem Resultat, dass die Bewegung von Muskeln und Gelenken immer mehr eingeschränkt und dadurch auch die ursprüngliche Position unserer Knochen verändert wird. Während einige Muskeln „überspannt“ sind, werden andere nicht mehr aktiviert. Dies führt zu eingeschränkten Bewegungsabläufen, erhöhtem emotionalen Stress, und mehr Schmerz und Verspannungen im Körper.


Aber nicht nur körperliche, sondern auch seelische Blockaden wirken auf die Körperhaltung. Dr. Ida Rolf fand heraus, dass permanenter Stress zu Beeinträchtigungen des Bindegewebes (des Fasziennetzes) führt und damit einen direkten Einfluss auf die Körperstatik hat. Auch die richtige Atmung spielt eine nicht unbedeutende Rolle.

Da physische und emotionale Verletzungen, ständige einseitige Belastungen, Stress und andere traumatische Ereignisse im Körper gespeichert werden, entstehen neue komplexe Haltungsmuster im gesamten Körper. Das führt dazu, dass wir mehr und mehr aus dem Gleichgewicht geraten!

Nach einer Verletzung nehmen wir oft Schonhaltungen ein, um unangenehme Bewegungen und Körperpositionen und damit Schmerzen zu vermeiden. Diese Anpassungen scheinen für den Augenblick zu funktionieren, sodass wir damit weitermachen. Die Verletzung heilt, aber ein Teil der kompensatorischen Muster bleibt in unserem Körper und in unseren Bewegungen. Sie gehen uns quasi in „Fleisch und Blut“ über, sodass wir sie nach einer gewissen Zeit nicht mehr bewusst wahrnehmen. Unser elastisches Bindegewebe absorbiert und reagiert auf diese „Fehlhaltungen“.

Durch den Einfluss der Schwerkraft, aber auch Stress, Trauma und Krankheit beginnen die Faszien zu dehydrieren, sich zu verhärten und zu verkleben.


Und so funktioniert Rolfing®

Eine Frau liegt auf der Seite und kehrt den Rücken zum Betrachter. Julia Isbarn-Friedrich sitzt neben ihr und massiert ihre Schulter.

Liegt eine Verletzung oder Belastung in einem Körperbereich vor, entstehen Spannungsverhältnisse, die sich über das Fasziennetz im Rest des Körpers ausbreiten, damit dieser die Fehlhaltung ausgleicht. Aus diesem Grund muss der gesamte Körper adressiert werden, um wieder gesunde Haltungsmuster zu schaffen und dauerhafte Resultate zu erzielen. Die Schwerkraft steht beim Rolfing daher im Fokus.


Durch gezielte manuelle Arbeit am Bindegewebe (den „Faszien“) lassen sich verfestigte Strukturen lösen, um Muskeln und Gelenken wieder mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Wie ein Bildhauer mit Ton arbeitet ein Rolfer mit dem Bindegewebe. Durch die Kombination des vom Rolfer ausgeführten genauen, manuellen Druck und den dazu abgestimmten Bewegungen der Klient:innen, lassen sich Verhärtungen und Verklebungen lösen. Dies erlaubt den einzelnen Körpersegmenten (Kopf, Schultern, Brustkorb, Becken und Beine) sich zu restrukturieren und ins Gleichgewicht zurückzukommen.


Ein Beispiel:

Die Abbildung des Mädchens zeigt deutlich die Problembereiche vor der ersten Sitzung: Die Beine sind überstreckt, das Becken oben nach vorne gekippt. Die Bauchwand dringt vor. Der Brustkorb sackt zusammen und ist insgesamt nach hinten gekippt. Der Kopf muss mit einer starken Verschiebung nach vorne ausgleichen. Die Atmung ist dadurch sowohl im unteren Rücken, als auch im oberen Brustkorb eingeschränkt.

Das Bild teilt sich in zwei Hälften: Links ist eine Frau in Sportunterwäsche zu sehen, die eingefallen steht: Ihre Schultern hängen nach unten und nach vorne, die Hüften sind nach vorn gekippt und die Knie nach hinten durchgestreckt. Eine Abbildung, die ihren Körper nachzeichnet, verdeutlicht mit eingezeichneten Achsen an den Knöcheln, den Knien, der Hüfte, der Brust, den Schultern und dem Kopf, dass ihre Körperhaltung schief ausgerichtet ist. Darunter steht "vor der ersten Sitzung". Mit der Unterschrift "nach der 10. Sitzung" ist rechts die gleiche Frau zu sehen, die deutlich aufrechter und gerade steht. Die Achsen in der Zeichnung neben ihr verdeutlichen das, indem sie nun waagerecht zum Boden sind.

Die Abbildung des Mädchens nach der zehnten Rolfing®-Sitzung zeigt die Veränderungen im Sinne einer integrierten Struktur. Sie sind in den Umrisszeichnungen durch die eingetragenen Achsen der großen Körperblöcke verdeutlicht. Im Idealfall verändert sich die Struktur in einer Serie von zehn Sitzungen hin zu horizontalen Körperebenen.


Rolfing® bewirkt:

  • eine mühelose, gesunde Haltung

  • einen leichten, aufrechten Gang

  • eine schonende Belastung von Knochen und Gelenken

  • eine vergrößerte Bewegungsfreiheit und Flexibilität

  • eine verbesserte körperliche Selbstwahrnehmung

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