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Rolfing® und Massage: Was sind die Unterschiede?


Eine Frau sitzt mit dem Rücken zum Betrachter. Eine weitere Frau steht neben ihr und massiert die Muskeln neben dem linken Schulterblatt.

Rolfing oder Massage? Auf den ersten Blick versprechen beide Methoden einen ähnlichen Effekt: Verspannungen zu lösen und den Körper zu lockern. Sieht man genauer hin, unterscheiden sich Rolfing und Massage jedoch deutlich.


Rolfing hat das Ziel, den Körper so aufzurichten, dass er im Einklang mit der Schwerkraft ist. Das heißt konkret, dass Muskeln und Gelenke nicht einseitig oder übermäßig belastet werden. Das Fasziengewebe spielt dabei eine wichtige Rolle: wenn es verklebt oder „verfilzt“, etwa durch einseitige Belastung oder Bewegungsmangel, können ungesunde Zugverhältnisse entstehen. Diese bringen die Körperstatik aus dem Gleichgewicht.

Ein Rolfer arbeitet direkt am Fasziengewebe, um dieses zu lösen. Die Arbeit hat vielmehr eine Aufrichtung des gesamten Körpers im Fokus, als nur die Behandlung einzelner Symptome.


Massagen haben primär das Ziel, Verspannungen in der Muskulatur zu lösen. Die knetenden Griffe berühren auch die Muskelfaszien. Druck und Technik von Massagen zielen jedoch nicht darauf ab, diese feinen Bindegewebsstrukturen und ihre Zugverhältnisse im gesamten Körper zu beeinflussen. Vielmehr geht es darum, dass der Muskel wieder „weich“ wird und Verspannungen dadurch gelöst werden.


Faszien-Massage: Gibt es das?

Rolfing ist keine Faszien-Massage und wie bereits erwähnt, adressieren Massagen die Muskulatur und nicht das Fasziengewebe. Beim Rolfing wird nicht mit rotierenden Bewegungen, sondern mit gezieltem Druck auf die Faszien eingewirkt – da man vor allem die tiefliegenden Strukturen erreichen möchte. Nur dadurch kann eine verbesserte Statik ermöglicht werden. Denn Faszien durchziehen den ganzen Körper und hängen miteinander zusammen. Sind sie verklebt, können sie ihrer Aufgabe zur Stabilisierung des Körpers nicht mehr vollumfänglich nachkommen.


Es sind zwei Mädchenkörper seitlich abgebildet, zwei Grafiken neben den Körpern verdeutlichen ihre Haltung. Links steht das Mädchen etwas eingesackt: Ihr Becken ist nach vorne geneigt, sie hat ein Hohlkreuz, die Schultern sind schief und der Kopf nach oben geneigt. In der Grafik von ihrem Körper verdeutlichen Striche diese Dysbalancen. Darunter steht "vor der 1. Sitzung". Das rechte Mädchen steht deutlich aufrechter, die bei der dazugehörigen Grafik sind jeweils waagerecht zum Boden. Darunter steht "nach der 10. Sitzung".

Damit der Körper in seine natürliche Aufrichtung kommt, verwendet ein Rolfer bestimmte, individuell auf das jeweilige Gewebe abgestimmte Grifftechniken. Denn auch im Fasziengewebe gibt es Unterschiede: so ist die Lumbalfaszie fester und dicker als die Faszien, die zum Beispiel die Bauchorgane umhüllen. Den Körper aufzurichten, ist ein Prozess. Die Basis der Rolfing Behandlung bildet die sogenannte 10-er Serie, also 10 aufeinander aufbauende Rolfing-Sitzungen, die unterschiedliche Bereiche des Körpers in den Fokus nehmen. Das Ziel: Die gelösten Faszien führen zu gesunden Bewegungsmustern und entziehen Beschwerden wie Verspannungen oder Blockaden die Grundlagen.


Wie ähnlich sind sich Massage und Rolfing®-Therapie?

Rolfing und Massage sind unterschiedliche Methoden. Jedoch zielen beide darauf ab, die individuellen Beschwerdebilder von Klient:innen bestmöglich zu behandeln.


Das Wort Massage kommt vom arabischen „mas“, welches für Berühren oder Tasten steht. Doch was wird berührt oder getastet? Bei der Massage ist es die Muskulatur, beziehungsweise bestimmte Muskelgruppen des Körpers. Sind diese verspannt, sorgt eine Wellness-Massage für Entspannung und eine Auszeit vom stressigen Alltag. Aber auch Ärzte können Massagen verschreiben, um die Durchblutung und den Stoffwechsel anzuregen. Zudem wirft der Körper dabei oft vermehrt Glücks- und Entspannungs-Botenstoffe aus, etwa Endorphine oder Oxytocin. Das kann positive Auswirkungen auf Körper und Geist haben.



Julia Isbarn-Friedrich ist über eine Klientin gebeugt, die seitlich auf einer Liege liegt. Dabei massiert Julia Isbarn-Friedrich mit dem Unterarm die Hüfte der Klientin.

Berühren und Tasten stellen auch beim Rolfing wichtige Aspekte dar. Allerdings zielt diese Methode nicht auf die Muskulatur, sondern auf das Fasziengewebe ab. Dieses umschließt Organe, Muskeln und Knochen im Körper wie ein Netz. Wird es bearbeitet, kann die Zwischenzellflüssigkeit wieder fließen. Dies hat mehrere positive Auswirkungen auf den Körper: Eine Studie zur Rolfing-Methode aus dem Jahr 2020 konnte belegen, dass die oberflächliche Durchblutung zunimmt, die Steifigkeit abnimmt und sich die Elastizität verbessert.


Im Gegensatz zum Rolfing löst die Massage also eine verspannte Muskulatur, kann ein grundsätzliches Ungleichgewicht in der Statik aber nicht beheben.


Werden die Faszien bei Massagen auch erreicht?

Massagen bearbeiten die Muskulatur des Körpers. Da die Muskeln von Faszien umschlossen sind, werden die oberflächlichen Bindegewebsstrukturen ebenfalls erreicht. Die tiefliegenden Faszien allerdings bleiben von einer Massage unberührt. Bei einer Rolfing-Behandlung hingegen wirkt der Rolfer gezielt auf die Faszien ein und kann somit deren Verklebungen lösen.


Massage und Rolfing®: Welche Qualifikationen sind notwendig?

Da der Begriff „Masseur“ nicht geschützt ist, können sich auch Personen mit wenigen Fortbildungen so bezeichnen. Ein zertifizierter Rolfer hingegen hat eine zweieinhalb-jährige Rolfing-Ausbildung abgeschlossen und ist darüber hinaus dazu angeregt, sich regelmäßig mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen dieser Methode zu befassen und fortzubilden.

Für wen eignet sich die Faszien-Therapie und für wen Massagen?

Die verschiedenen Massageformen eignen sich ganz allgemein bei Verspannungen der Muskeln. Sie fördern die Durchblutung und regen den Stoffwechsel an. Gleichzeitig können vermehrt Glückshormone ausgeschüttet werden, die sich positiv auf die Psyche auswirken. Wer sich Erholung gönnen möchte, der kann sich bei einer Massage entspannen. Oft wirken Massagen nur kurzzeitig, denn Fehlhaltungen, eine schwache Muskulatur oder zu wenig Bewegung – häufige Ursachen für Rücken- und Nackenschmerzen – gleichen sie nicht aus.


Zwei Figuren aus Bauklötzen sind abgebildet. Die linke wird von einem Pfeil über ihr nach unten gedrückt, die Bauklötze sind gegeneinander verschoben und völlig schief ausgerichtet. Die rechte Figur wird von einem Pfeil, an dem ein Haken befestigt ist, nach oben gezogen. Sie steht aufrecht und die Bauklötze sind so übereinander gestapelt, dass ein menschlicher Körper zu erkennen ist, und gerade ausgerichtet.

Der Fokus von Rolfing sind tiefer liegende Probleme des Bewegungsapparates. Nach Verletzungen, Unfällen oder durch einseitige Belastung nimmt man schnell Fehlhaltungen ein, die dauerhaft Verspannungen und Blockaden hervorrufen können. Rolfing adressiert vielmehr die Ursachen als die Symptome und ermöglicht gesündere Bewegungsabläufe wieder herzustellen.


Wer daher eine langfristige und ganzheitliche Verbesserung körperlicher Beschwerden anstrebt, für den eignet sich die Rolfing-Therapie, auch Strukturelle Integration genannt. Für eine wohlige Entspannung ist eine Massage sinnvoll.



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